Landestreffen 1969 in Aschaffenburg

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3. Bayerisches Landestreffen der Gehörlosen ´96

 
Aschaffenburg 6. bis 9. Juni 1996

Das Landestreffen der Gehörlosen Bayerns ist die größte Veranstaltung auf Landesebene. Es findet aller vier Jahre statt und wird abwechselnd in den Bezirken durchgeführt. Das 1. Landestreffen im Jahre 1988 war in Passau (Niederbayern) 1992 trafen sich die Gehörlosen in Lindau am Bodensee und in diesem Jahr in Aschaffenburg (Unterfranken). Der Ortsverein der Gehörlosen Aschaffenburg und der Bezirksverband der Gehörlosen Unterfranken hatten sich um die Ausrichtung dieses Landestreffens beworben.

Ziel des Landestreffen in Aschaffenburg war:

die Begegnungen unter den Gehörlosen zu fördern,

Symposienveranstaltungen durchzuführen

die Öffentlichkeit über die besonderen Probleme Hörgeschädigter zu informieren

die Ausstellung über technische Hilfsmittel durchzuführen

sowie Gespräche mit Politikern zu führen

Wir waren dabei

Auch Die NEUE für Gehörlose, vertreten durch Monika Hoppe und Veronika Drescher, reiste zum Landestreffen der Gehörlosen nach Aschaffenburg. Wir danken an dieser Stelle ganz herzlich Rudolf Gast, 1. Vorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen Bayern, für diese Einladung.

Am Donnerstag, den 6. Juni, kamen so nach und nach die ersten angereisten Gehörlosen aus nah und fern zum ersten Kennenlernen ins Kolping-Haus. Das war gleich um die Ecke von der Stadthalle von Aschaffenburg, so daß man schon mal einen neugierigen Blick zur Stadthalle werfen konnte.

Und dann war es soweit. Das große Fest konnte beginnen. Nach einigen organisatorischen Problemchen wußte jeder der Austeller, wo er stehen sollte. Im Erdgeschoßeingang fanden sich verschiedene Informationsstände. So unter anderem des Berchtesgadener Ortsvereins, der das 4. Bayerische Landestreffen ausrichten wird, die Dolmetscherzentrale, ein Stand von Herrn Gregor über die Schulbildung der Gehörlosen, der Stand unserer Zeitschrift sowie viele Informationstafeln über und zur Gehörlosenproblematik. Im Obergeschoß waren dann die technischen Hörhilfsmittel mit ihren Vertretern zu sehen und zusprechen - REHACOM TECH, Herr Oedekoven, HGT - Herr Krause, MOBILY COM - Frau und Herr Sailer, Humantechnik - Herr Sicklinger, Herr Kroel. Außerdem war da noch ein kleiner Verkaufsstand aus München und die Ausstellung der Gehörlosen-Mission über Eritrea. Am Freitag war dann auch noch die Zeitung "Selbstbewußt werden" des Stadtverbandes München, mit ihrem Schriftleiter Gerhard Wolf, vertreten.
Hunderte Gehörlose reisten im Laufe des Tages an. Im Foyer war eine reges Kommen und Gehen, herzliches Begrüßen beim Wiedersehen alter Bekannter und neugieriges Schauen, was überall angeboten wurde.

Doch nicht nur in der Stadthalle von Aschaffenburg war reges Treiben, sondern die Gehörlosen hatten auch kulturelle Angebote. Es gab die Möglichkeit an verschiedenen Besichtigungen teilzunehmen, durch den Spessart und nach Schloß Mespel-brunn, Automuseum und Schloßmuseum standen ebenfalls auf dem Programm.

Zugleich liefen in der Stadthalle im Laufe des Tages Foren. Themen waren "Gebärdenkursleiterinnen" und "Gehörlose Frauen" und ein Politikergespräch..

Politikergespräch

Beim Politikergespräch war Veronika Drescher, dabei. Es war viel Prominenz eingeladen: der Bayerische Staatsminister der Justiz. Herr Hermann Leeb, die Bundestagsabgeord-
neten Frau Heidi Wrigt und Herr Norbert Geis, der Bezirksvizepräsident Unterfranken, Herr Peter Heusinger, Herr Pfarrer Volker Sauermann von der Gehörlosenseelsorge und viele andere.

Herr Rudolf Gast sprach über einige Probleme,Idie den Landesverband bewegen, wie z. B. der Einsatz der Dolmetscher, über die Bezahlung derselben usw. Er erklärte auch, daß in Bayern die Gehörlosen das Wort "taubstumm" nicht hören wollen. Es klingt wie ein Schimpfwort, abwertend und dumm. Gehörlose sind nicht taubstumm, sie hören nur nichts!


Bild: Aufmerksam verfolgen alle die Diskussionen während des Politikergespräches.



Bild: Hunderte von Gehörlosen trafen sich auf dem Platz vor der Stadthalle in Aschaffenburg. Blaue und weiße Luftballons - die Traditionsfarben des Landesverbandes der Gehörlosen Bayern - schwebten nach der Festrede und Eröffnung der Sonne entgegen.



Hermann Leeb betonte, daß die Förderung gehörloser Menschen in Bayern seit langem ein besonderes Anliegen ist. So gibt es z. B. seit Ende 1995 172 regionale und überregionale Dienste der offenen Behindertenarbeit mit 560 PersonalsteUen in der gemeinsamen Förderung von kreisfreien Städten, Landkreisen und Bezirken in Bayern. Im Mittelpunkt der Beratungs- und Betreuungsdienste steht von Anfang an der Aufbau von Diensten für hörgeschädigte Menschen mit einer psychosozialen Beratung und Betreuung im sozialen Umfeld in allen Lebensbereichen. Darüber hinaus werden für die Belange der hörgeschädigten Menschen regelmäßig oder als Einzelfälle verschiedene Aktivitäten finanziell gefördert. Im vergangenen Jahr betrug die Förderung der Gehörlosen aus Mitteln des Arbeits- und Sozialministeriums fast 900.000 DM.

Doch die Gehörlosen sind auch selbst aktiv und bestrebt, die Behinderung zu überwinden und sich in die Gesellschaft zu integrieren. Ein zentrales Mittel hierbei ist die Kommunikation. Um die für die Integration gehörloser Menschen so wichtige Kommunikation zu verbessern, legt die Bayerische Staatsregierung auf eine gute Ausbildung von Gehörlosen besonderen Wert. Dementsprechend erfüllt die Schule für Gehörlose die wichtige Bildungsaufgabe, die sonderpädagogische Förderung in Erziehung und
 

Es gab noch viele andere Probleme, die besprochen wurden.
EinhelligerTenor der Politiker war, daß den Gehörlosen geholfen werden muß. So kann der Landesverband ein wenig erleichtert in die Zukunft schauen.

 


Bild: Der Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg, Willi Reiland, im anregen- den Gespräch mit Rudolf Gast über die Probleme der Gehörlosen.



Empfang beim OB

Mittags war Empfang beim Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg.

Herr Willi Reiland begrüßte auf das Herzlichste die gehörlosen Gäste, besonders die Vertreter der Gehörlosenverbände aus Tschechien und Ungarn in ihrer jeweiligen Landessprache, und schilderte dann interessant und ausführlich die Entwicklung der StadtAschaffenburg mit ihrer über 1000jährigen Geschichte. Er, der den Spitznamen "Brunnen-Willi" trägt, weil er es geschafft hat, daß die vielen Brunnen in Aschaffenburg trotz finanzieller Probleme ihre Wasserspiele auch in diesem Jahr entfalten können, betonte, daß Behinderte niemals mit ihren Problemen allein gelassen werden dürfen. Es muß versucht werden, ihre Nachteile auszugleichen. So hat Aschaffenburg z. B. einen Duft- und Tastgarten für Sehgeschädigte geschaffen, in welchem auch Rollstuhlfahrer Blumen und Pflanzen ertasten können, auch in der Schule für geistig- und lernbehinderte Kinder wird hervorragende Arbeit geleistet. Ein Mitarbeiter der Stadt ist eingesetzt für Senioren- und Behindertenarbeit.

Da auch hier die Probleme der Gehörlosen und anderen Hörgeschädigten ein wenig im Hintertreffen waren, hat Rudolf Gast dann darüber gesprochen, wie wichtig es ist, wenn z. B. die Kosten für Dolmetschereinsätze von der Stadt übernommen werden könnten. Es muß doch möglich sein "Mittel locker zu machen".


Bild: Die geladenen gehörlosen Gäste folgen aufmerksam den Ausführungen des Oberbürgermeisters von Aschaffenburg über seine schöne und interessante Stadt.



Eröffnung

Kurz vor 16 Uhr versammelten sich die von nah und fern anaereisten Gehörlosen auf dem großen Platz vor der Stadthalle. Alle hatten große und kleine, blaue und weiße Luftballons - eine Spende der Sparkasse - in den Händen. Blau und weiß verkörpern die Farben des Landesverbandes der Gehörlosen Bayern e. V.

Der Bayerische Justizminister, Herr Hermann Leeb, eröffnete gemeinsam mit Rudolf Gast, 1. Vorsitzender des Landesverbandes der Gehörlosen Bayern, und weiteren Vertretern der bayerischen Gehörlosenbewegung das 3. Landestreffen.
Unterricht so zu verwirklichen, daß die Betroffenen fähig werden, ein Leben mit Hörbeschädigung sowohl in sozialer Begegnung mit Hörenden als auch mit Gehörlosen sinnerfüllt zuge-stalten. Der Förderbedarf Hörgeschädigter umfaßt somit unterschiedliche Aufgaben. Zum einen ist die Entwicklung des Restgehörs und der Lautsprache ein zentrales Anliegen der Schule. Auch kommt der Schriftsprache bei gehörlosen jungen Menschen ein besonderer Stellenwert zu. Gehörlose brauchen aber auch gebärden-sprach-liche Kommunikation, so daß die manuelle Kommunikation ebenso zum Aufgabenschwerpunkt wird.

Kommunikation in Laut-, Schrift- und Gebärdensprache ist die Grundlage sozialer Beziehungen hörgeschädigter Menschen. Der verantwortliche Einsatz dieser drei Kommunikationsformen erfordert für die Lehrerschaft an Schulen für Gehörlose Kenntnis über gesprochene, geschriebene und gebärdete Sprachformen und dazu die Fähigkeit, diese schülerangemessen und sprachsituationsbezogen zu gebrauchen. Sowohl der Erwerb dieser sprachlichen Zeichensysteme als. auch der fortwährende Austausch über diese Sprachformen muß in der Lehrerausbildung sowie durch Veranstaltungen der Lehrerfortbildung und durch Weiterbildungsmaßnahmen erfolgen.

Kulturabend

Gegen 18 Uhr begann ein buntes Kulturprogramm. Als Moderator trat Tom Bierschneider auf, der die einzelnen Programmteile sehr gekonnt miteinander verband und selbst auch kleine Zwischeneinlagen in Pantomime und Gesprächsformen gab.

Sport

Zeitgleich mit dem 3. Landestreffen gab es natürlich auch sportliche Höhepunkte inAschaffenburg. Die Deutschen Gehörlosen-Wasserball-Meisterschaften 1996 fanden statt. Die Siegerehrung dazu wurde dann am kommenden Abend in der Stadthalle vorgenommen.

Der vorletzte Tag

Das Wetter in Aschaffenburg meinte es in diesen drei Tagen wirklich gut mit uns. Es war sehr heiß! Da kam die angekündigte Schiffahrt auf dem Main gerade richtig, werden die meisten gedacht haben. Das Schiff "Bacchus" war gemietet. Die Schleusenfahrt ab Miltenberg konnte beginnen. Sie dauert ca. 4 Stunden.

Die, die wir "zu Hause" bleiben mußten, um die Info-Stände zu besetzen, stöhnten wegen der Hitze. Alles war ausgeflogen. Kaum einer kam in die Stadthalle. Zwar fand noch ein Forum "Zukunft gehörloser Kinder " statt, aber erst nach dem Mittag - das Schiff war zurück - strömten auch die Gehörlosen wieder herbei.

Nun blieb nicht mehr viel Zeit bis zum großen Festprogramm. Es sollte 18 Uhr beginnen. Wir hatten schon Pläne gemacht, wie wir uns abwechseln, damit jeder von uns etwas vom großen Kulturprogramm sehen kann, aber zugleich auch der Info-Stand besetzt bleibt. Doch die Organisatoren waren anderer Meinung. Kurz entschlossen wurde der Eingang zu den Ständen geschlossen, ein anderer geöffnet und die gehörlosen Gäste begaben sich in den großen Saal. Unser Protest half wenig. (Etwa eine Stunde später wurde der Eingang wieder geöffnet, doch da hatten die meisten schon abgebaut.) Und wenn wir unseren Stand umgesetzt hätten, wäre zu viel Zeit vergangen. Schade! Also bauten wir ab und brachten unser Material in das Hotel. Dann ging es zurück zur Stadthalle.

Leider fanden wir keinen guten Platz mehr. Wir saßen also ganz oben auf dem Rang "unter dem Dach" und beobachteten von dort das Kulturprogramm. Versuche, gute Bilder mit unserer Kamera, die Zoom (= Bilder heranholen) hat, zu machen, schlugen wegen der Lichtverhältnisse fehl.

Die Festveranstaltung

Das Kulturprogramm begann mit der Begrüßungsrede des Oberbürgermeisters von Aschaffenburg, Herrn Willi Reiland, der zugleich die Schirmherrschaft hatte. Dann erfolgte der Einmarsch der 7 Bezirksverbände und 43 Ortsvereine mit Spielmannszug. Auf Schildern war zu lesen, wer woher kam. Der Gehörlosenverein "Hufeisen" aus München ist der älteste und der Ortsverein Neusäss der jüngste Gehörlosenverein Bayerns. Danach erfolgten Ansprachen von Manfred Hartmann, Bezirksverband Unterfranken, und Oswald Haun, 1. Vorsitzender des Ortsverein Aschaffenburg.


Bild: Besonderen Anklang fand die Gruppe "Dance Feeling", die wiederholt durch viel Beifall auf die kleine Bühne geholt wurde. Hier mit dem Titel Pon-Pon als Chearleader.



Eine besondere Ehre wurde Rudolf Gast zu teil. Schon über 30 Jahre ist er im Landesverband der Gehörlosen Bayerns tätig, seit 1982 als 1. Vorsitzender. Er hat maßgeblichen Anteil daran, daß die Gebärdensprache in den Schulen für Gehörlose im Land Bayern eingeführt wurde. Als Dank und Anerkennung für seine aufopferungsvolle ehrenamtliche Tätigkeit erhielt Rudolf Gast eine große - ca. 10 cm Durchmesser - Ehrenplakette mit Urkunde.

Rudolf Gast dabkte für die Auszeichnung in seiner Festansprache. Danach wurden gemeinsam mit der anwesenden Präsidentin des Gehörlosenverbandes aus Tschechien und dem Präsidenten des Gehörlosenverbandes aus Ungarn Gastgeschenke ausgetauscht.


 

Zwischen den einzelnen Redebeiträgen fanden Darbietungenen der Gruppe "Moderne Dance" aus Aschaffenburg, TRIO-ART, Essener Gebärdentheater und Magic Show sowie der Tiroler Schuhplattler statt.

 

Unser nächstes Ziel: Berchtesgaden

Das 3. Landestreffen der Gehörlosen Bayern in Aschaffenburg war noch nicht beendet, da wurden schon Pläne und erste Vorbereitungen für das 4. Treffen gemacht. Es wird im Berchtesgadener Land durchgeführt. Gerd Aschauer, 1. Vorsitzender des dortigen Gehörlosenvereins, und Michael Lochner waren extra angereist, um schon heute auf sich und ihre schöne Heimat aufmerksam zu machen.

Also dann, Auf Wiedersehen in 4 Jahren in Berchtesgaden.

Monika Hoppe
Veronika Drescher

Quelle: Zeitungsausschnittt unbekannt



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3. Bayerisches Landestreffen der Gehörlosen 1996 In Aschaffenburg
Nach 1988 in Passau (Niederbayern) und 1992 in Lindau (Schwaben) fand vom 06. - 09. Juni 1996 das 3. Bayerische Landestreffen in Aschaffenburg statt. Ort des Treffens war die neue, am Schloßplatz von der prächtigen Kulisse des Aschaffenburger Schlosses erbaute, moderne Stadthalle. Schon am Fronleichnamstag, Donnerstag, 6. Juni, fanden sich die ersten hundert Besucher am Treffpunkt Stadthalle ein, darunter eine Delegation aus Ungarn und eine aus Tschechien. Den ausländischen Gästen zu Ehren gab der Landesverband Bayern der Gehörlosen ein Bankett. Am Freitag, 7. Juni ab Vormittag bot sich den Besuchern im Foyer der Stadthalle ein großes Angebot an Fachinformationen. Verschiedene Hersteller von technischen Hilfsmitteln für Gehörlose und Schwerhörige stellten ihre Produkte aus, darunter einige Neuheiten wie z.B. ein funkgesteuerter Personenruf, ein integrierter Telefon-/ Schreibtelefonapparat, ein Adapter zu Sichtbarmachung von Untertiteln auf Videofilmen. Im Forum Gebärden-kursleiter/-innen" wurde über die Vereinheitlichung der DGS" diskutiert. Anschließend wurde in zwei parallel laufenden Workshops Praktische Beispiele am Unterrichtskonzept DGS" und Bedingungen und Voraussetzungen für den/die Gebärdenkursleiter/-in" erarbeitet. Im Forum Gehörlose Frauen" waren gehörlose und schwerhörige Frauen (ohne Männer!) unter sich und beschworen das neue Selbstbewusstsein der Frau sowie den persönlichen Mut und den Widerstand gegen Unterdrückung und Diskriminierung. Bei den Gesprächen mit der Stadt Aschaffenburg, Oberbürgermeister Dr. Willi Reiland und Stadträten, mit Bezirks-räten der Bezirksregierung von Unterfranken und mit dem bayerischen Justizminister, Hermann Leeb als Vertreter der Bayerischen Staats-regierung warb Landesvorsitzender Rudolf Gast um politische Unterstützung für die Beibe-haltung der Freifahrtberechtigung" im öffentlichen Nahverkehr für Gehörlose, für einen Ausbau der finanziellen Nachteilsausgleiche für gehörlose Menschen in Bayern, für bessere Bildungschancen, insbesonders für gehörlose und schwerhörige Kinder, für mehr Untertitel im Fernsehen und für den Erhalt der wöchentlichen Fernsehsendung Sehen statt Hören". Bei der feierlichen Eröffnung des Landestreffens durch Rudolf Gast auf dem Balkon der Stadthalle wurde dem Besucher ein farbenprächtiges Bild geboten. Meterbreite Luftballons in weiss und blau stiegen auf Kommando gleichzeitig in den wolkenlosen Himmel auf. In seiner Eröffnungsrede unterstrich Justizminister Hermann Leeb, dass die Belange der Behinderten und auch der Gehörlosen schon immer ein besonderes Anliegen der bayerischen Staatsregierung waren und sicherte die volle Unterstützung der bayerischen Staatsregierung zu für die vorgetragenen, berechtigen Anliegen der Gehörlosen. Beim Kulturabend in der Stadthalle vor 300 Besuchern wurde ein interessanter Querschnitt von der Kultur der Gehörlosen geboten. Da gab es den Vortrag 200 Jahre Schulbildung Gehörloser in Bayern", die Entstehungs-geschichte des ältesten Gehörlosenvereins in Bayern, des GV Hufeisen" München, die gefühlvolle Aufführung der Tanzgruppe Dance feeling", begeisternde Pantomineeinlagen von Thomas Bierschneider und volkstümliche Tanzeinlagen der einheimischen, gehörlosen Tanzgruppe Spessart". Am 8. Juni fanden sich bei Kaiserwetter etwa 500 Teilnehmer in Miltenberg ein zur Schifffahrt auf dem Main nach Aschaffenburg. Bei Tuchfüllung auf engstem Raum an Deck kam so mancher Zeitgenosse aufsein (Unterhaltungs-) Kosten. Kaum jemand von den Passagieren wird vor angeregter Unterhaltung gemerkt haben, dass das Schiff 4 Schleusen passiert hat. Am Nachmittag trafen sich in der Stadthalle gehörlose Eltern von gehörlosen Kindern beim Forum Zukunft gehörloser Kinder" mit Schwerpunkt Gehörlosenschule". Auf diesem Forum wurden Forderungen von gehörlosen Eltern gehörloser Kinder an die Gehörlosenschule formuliert und diskutiert, und als Aschaffen-burger Resolution" beschlossen. Diese Forderungen zielen ab auf bessere Bildungschancen für gehörlose Kinder und sollen demnächst dem bayerischen Kultusministerium vorgetragen werden. Beim großen Festabend vor über 1000 Besuchern moderierte Thomas Bierschneider ein abwechslungsreiches Show-Programm mit Darbietungen verschiedener gehörloser Tanzgruppen, u.a. aus Tirol, mit einer MAGIC-SHOW von Thomas Geißler und mit der Theatergruppe TRIO-ART aus Essen. Als Erster begrüßte der Vorsitzende des Gehörlosenverein Aschaffenburg, Oswald Haun, die Festbesucher und ließ es sich nicht nehmen, bei seiner Begrüßung besonders auch die Cochlear-Implantat-Träger unter den Besuchern herzlich willkommen zu heißen. Er erinnerte daran, dass zuletzt vor 89 Jahren, vom 17.-19. August 1907, ein landesweites Gehörlosentreffen in Aschaffenburg, organisiert vom Bayerischen Taubstummen-Fürsorgeband stattgefunden hat. Manfred Hartmann, Vorsitzender des Bezirksverbandes der Gehörlosen Unterfranken, begrüßte zahlreiche Ehrengäste, darunter die Präsidentin des Tschechischen Gehörlosenverbandes, Milada Smutna, den Präsidenten des Ungarischen Gehörlosenverbandes , Janos Podani, den Schirmherrn Oberbürgermeister der Stadt Aschaffenburg, Dr. Willi Reiland, sowie Stellvertreter des Bezirksregierung Unterfranken, Peter Heusinger, Vertreter der kath. Und evang. Kirche in Bayern, Vertreter des Landesverbände Sachsen, Niedersachsen und Baden-Württemberg, Vertreter von den 7 Bezirksverbänden der Gehörlosen und von den 43 Gehörlosenvereinen in Bayern. Bei seiner Festansprache ging Landesvorsitzender Rudolf Gast auf die Bedeutung des Landestreffens in Aschaffenburg ein. Das alle 4 Jahre stattfindende Landestreffen soll landes-wie auch bundesweit in der Öffentlichkeit ein Signal für die gehörlosen Menschen setzen. Ferner soll es den Zusammenhalt der Schicksalsgemeinschaft der Gehörlosen fördern und festigen. Es bedarf einer starken Gemeinschaft der gehörlosen Menschen, um sich in der hörenden Gesellschaft als Minderheit zu behaupten. Der Landesverband Bayern der Gehörlosen fördert und unterstützt im Augenblick ganz besonders die Bestrebungen der Gebärdensprachkursleiter, der gehörlosen Frauen, der gehörlosen Eltern von gehörlosen Kindern und bemüht sich verstärkt um die gesellschaftliche Anerkennung der Gebärdensprache gehörloser Menschen, welche in Bayern am weitesten fortgeschritten ist. Die letzte große Hürde, die Durchsetzung der Gebärdensprache als Pflichtfach bei der Ausbildung von Lehrern und Erziehern soll nunmehr mit allem Einsatz in Angriff genommen werden. Das bayerische Kultusministerium wird aufgefordert, klar Stellung zu beziehen für die Anwendung der Gebärdensprache bei Frühförderung und Schulbildung gehörloser Kinder und Jugendlicher. Das besondere beim Festabend war die Ehrung von Rudolf Gast für seinen über 30 Jahre langen, verdienstvollen Einsatz für den Landesverband Bayern der Gehörlosen, zunächst als 1. Vorsitzender des Landesverbandes. Die Festbesucher würdigten diese großartige Leistung von Rudolf Gast mit anhaltendem, stehendem Applaus. Zum Abschluss des Show-Programms wurden die Festbesucher von Vertretern des Gehörlosenverein Berchtesgaden auf das nächste Landestreffen im Jahr 2000 aufmerksam gemacht und herzlich willkommen geheißen. Während anschließend die Rockgruppe Own Stuff" für heiße, vibrierende Rhythmen sorgte, dauerte es noch bis weit in die frühen Morgenstunden hinein, bis die Tore der Stadthalle hinter den letzten Besuchern geschlossen wurden. Die gut besuchten Gottesdienste beider Konfessionen am Sonntag, 09. Juni 1996, gemeinsam mit hörenden und gehörlosen Menschen, bildeten den ehrwürdigen Abschluss des Landestreffens.

Wolfgang Müller

Auszug aus der Deutsche Gehörlosenzeitung, Nr. 8/1996, S. 240.


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Gebärdensprach-Forum beim Landestreffen 1996 in Aschaffenburg

Vom 6. bis 9. Juni 1996 fand für die bayerischen Gehörlosen das dritte Landestreffen mit großem Programm in Aschaffenburg statt. Am Forum Gebärdensprache wirkte auch die Landesarbeitsgemeinschaft der Gebärdensprach-Kursleiter und -leiterinnen mit. Der GL-Landesverbandsvorsitzende Rudolf Gast eröffnete das Forum, und dann übernahm Sabine Ludwig die Leitung. Die 2. Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft (BAG) der Kursleiter, Christiane Büdding-Merschieve, hielt einen Vortrag über Aufbau und Ziele ihres Verbandes.

1987 wurde die BAG gegründet. Sie hat zur Zeit 190 Mitglieder. Heike Zienert vom Zentrum für Deutsche Gebärdensprache ist 1. Vorsitzender. Die BAG ist Mitglied in der Gesellschaft für Deutsche Gebärdensprache und Kommunikation sowie im Deutschen Gehörlosen-Bund. Jedes BAG-Mitglied erhält die Zeitschrift Das ZEICHEN", Aufgabenbereiche der BAG sind: Ausbildung der Gebärdensprach-Kursleiter, Durchführung von Workshops und Seminaren, um Erfahrungsaustausch unter den Mitgliedern zu ermöglichen.

Vorsitzende Margit Hillenmeyer hielt einen Vortrag über den Aufbau und die Ziele der LAG Bayern. In Gebärdensprachkursen können die Kursleiter den Hörenden zeigen, wie sie mit Gehörlosen am besten umgehen können, und wie schön und kompliziert unsere Sprache - die Deutsche Gebärdensprache (DGS) - ist. Das ist die beste Öffentlichkeitsarbeit. Die LAG Bayern hat 60 Mitglieder. Die Ziele sind die gleichen wie die der BAG: Ankennung der DGS-Anerkennung des Berufsbildes Gebärdensprach-Lehrer oder Gebärdensprach-Dozent -Förderung der DGS und der Kultur der Gehörlosengemeinschaft - Herstellung von einheitlichen Lehr- und Videomaterialien - Ausbildung von Gebärdensprach-Kursleitern mit Prüfung - Workshops. Die LAG Bayern macht Öffentlichkeitsarbeit, verschickt Rundschreiben und bietet viermal jährlich Seminare und einen Erfahrungsaustausch an. Sie arbeitet auch eng mit anderen Verbänden zusammen, zum Beispielmit der LAG Bayern der Gebärdensprach-Dolmetscher, dem Landesverband Bayern der Gehörlosen, dem Gehörlosenverband München und Umland, sowie mit der Volkshochschule in München.

Dann wurden die Fragen der Teilnehmer beantwortet. Wie ist die Meinung zur Vereinheitlichung der DGS? Viele sind für die Beibehaltung der Dialekte. Dialekte sollen auch weiterhin gepflegt werden. Sie vermitteln uns Gehörlosen ein Heimatgefühl. An den Gehörlosenschulen soll ein Fach Gebärdensprache" eingeführt werden. Das kann einen großen Beitrag zur Vereinheitlichung der Gebärden leisten. Das Blaue Buch" wird von vielen Gehörlosen nicht akzeptiert (= nicht angenommen; nicht einverstanden sein). Daran haben zuviel Hörende mitgearbeitet. Einige darin enthaltende Gebärden sind den Gehörlosen fremd. Ein neues Projekt für Gebärdenzeichen sollte gestartet werden. In Frankreich werden bereits Gebärden per Computer gesammelt. Eine andere Möglichkeit für die Vereinheitlichung wäre, Gebärden aus verschiedenen Bundesländern zu sammeln und er Regierung vorzulegen. Diese beschließt dann, welche Gebärden angenommen werden. So wurde in den USA verfahren. Nach der Mittagspause wurden in Workshops die Inhalte des DGS-Anfängerkurses und die an die Kursleiter gestellten Erwartungen besprochen.

Margit Hillenmeyer

Auszug aus der Deutsche Gehörlosenzeitung Nr. 8/1996, Seite 240


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Übergabe von Oswald Haun Zeitungsartikel vom Aschaffenburger Zeitung vom 8. Juni 1996 LVB-Vorsitzender Rudolf Gast, Bayerischer Justizminister Hermann Leeb, Dolmetscherin Rosemarie Fürst. Foto: Peter Funke (Hufeisen München) Schloss Johannisburg -Wahrzeichen der Stadt.



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... weitere Bilderdarstellungen

Foto: Peter Funke (Hufeisen München) LVB-Vorsitzender Rudolf Gast, Bayerischer Justizminister Hermann Leeb, Dolmetscherin Rosemarie Fürst.



 
Diese Bilder wurden vom Video in Schnappschüsse umgewandelt.
(Von Fabian Benschuh, Sohn von Angela Benschuh)


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